Warum ich mich engagiere - von Harald Krautgartner

Es gibt unterschiedliche Motive, warum sich Menschen für FAIRTHERAPY engagieren. Hier spricht Harald Krautgartner über seine Motivation, sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei uns zu engagieren:

Unlängst komme ich nachmittags nach Hause und werde im Parterre von einem älteren Mann angesprochen, ob ich ihn in diesem Haus schon einmal gesehen hätte und ob ich wüsste, ob und wo er hier wohne. Ich verneine überrascht und versuche mit dem Mann in Kontakt zu bleiben. Nach ein wenig Plauderei überlässt er mir seine Geldtasche und wir finden tatsächlich seine Wohnadresse heraus. Etwas mulmig, ob sie denn jetzt tatsächlich stimme, was ich mache, wenn nicht und ob hoffentlich doch alles gut gehen wird, begleite ich den Mann in seine Wohnung. Bei der Fahrt in der Straßenbahn erklärt er mir immer wieder, wie gut er die Gegend erkenne und wie sehr er sich nicht an die Gebäude erinnern kann. Ich hätte doch noch den Stadtplan aus meiner Wohnung holen und mitnehmen sollen, aber schließlich erreichen wir seinen Gemeindebau.

Der Schlüssel zum Haustor passt.

Ich bin erleichtert. Genau wie seine Frau, die ihren Hans in die Arme schließt. Nein, ich könne jetzt nicht sofort wieder weg, ich müsse noch Kaffee trinken, schließlich müssen ALLE Details geschildert werden. Unter der Voraussetzung eines Versprechens, dass bald ein Arzt aufgesucht wird, bleibe ich. In den wiederholten Erzählungen wird das Erlebte mehrmals erzählt und beleuchet.

Schließlich doch bei mir in der Wohnung angekommen suche ich die Telefonnummer des FSW und schildere den Fall. Nein, man könne niemanden zwangsbetreuen, aber der Name des Mannes wäre in der Datenbank verzeichnet und man werde jemand vorbeischicken. Irgendetwas meldet sich in mir, es ist aber nicht zu entschlüsseln und ich beende artig das Gespräch. Unmittelbar nach dem Auflegen fällt mir ein, was ich der netten Frau am Telefon noch hätte sagen wollen: dass es schön ist, in einer Stadt zu leben, in der die älteren Menschen nicht sich selbst überlassen sind und es Organisationen gibt, die sich um sie kümmern.

True story, I swear.

Was diese Geschichte mit meinem ehrenamtlichen Engagement für FAIRTHERAPY zu tun hat?

Für die einen mag Solidarität ja ein kommunistischer Gott-sei-bei-Uns sein, für die anderen ein sonderbares, verstaubtes, längst überwundenes Wesen von vorgestern. Mir ist sie einfach wichtig, weil sich in meinem Leben mehr als einmal gezeigt hat, dass Denken und Handeln über den eigenen Tellerrand hinaus für alle Beteiligten das Beste ist und ganz nebenbei noch neue Türen der Erfahrung dieser Welt öffnet.

Als Newsletter-Empfänger sind Sie natürlich mit dem Kernthema bei FAIRTHERAPY vertraut und wissen, dass nicht nur ältere, einsame Menschen unserer Unterstützung bedürfen. Traumaopfer sind meiner Erfahrung nach sehr starke Menschen. Nur brauchen sie in der Regel SEHR viel dieser Kraft, um die Folgen ihrer Gewalterfahrungen (z. B. Ohnmachtsgefühle, Wahrnehmungsstörungen, Unfähigkeit, über das Erlebte zu sprechen, u. v. a. m.) einigermaßen zu ertragen. Für die Organisation und Finanzierung einer speziellen Therapie reichen ihre Ressourcen oft nicht mehr.

In diesen Fällen mitzuhelfen, auch nur ein wenig, jeder Beitrag zählt. Für mich ist das sinnstiftend und wichtig. Da ich weder therapeutisch ausgebildet noch begütert bin, spende ich freie Zeit, über die ich verfüge und deren Verwendung in den Besprechungen mit dem Kernteam rund um Fr. Mag. Behensky festgelegt wird. Als überschaubare, lebendige Organisation bietet FAIRTHERAPY für ehrenamtliche Mitarbeiter viele, unterschiedlich gelagerte Unterstützungsmöglichkeiten.

Es findet sich:

  • „Hemdsärmeliges“, wie die mögliche Umsiedlung in größere Therapieräumlichkeiten
  • „Konventionelles“, beispielsweise Büroarbeit à la Mailversand
  • „Interessantes“, wie Internetrecherche oder
  • „Kaufmännisches“ wie die Suche nach neuen Spendenquellen


Mir gibt es die Gelegenheit, meine Leistungsfähigkeit zu überprüfen, bestehende (Verkaufs-) Qualifikationen anzuwenden und mir neue Fähigkeiten (wie das Verfassen dieses Newsletterartikels) zu erarbeiten.

Im Kontakt mit dem Kernteam treten vielleicht wegen seiner Kleinheit soft skills in einer Intensität zu Tage, wie sie in meiner beruflichen Karriere nicht erfahrbar waren: Humor, Vertrauen, Leidenschaft, Respekt voreinander, Esprit, Risikobereitschaft und vieles, das sich einfach schlecht in Worte fassen lässt. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass Sie ganz genau wissen, wovon ich spreche und zwar dann, wenn Sie Teilnehmer der FAIRTHERAPY-Benefizveranstaltung im März im Restaurant Leonardo waren. Dort war diese, einfach gesprochen „positive Pionierenergie“ deutlich zu spüren. Und es ist natürlich schön wie bereichernd, mit dieser Energie in Kontakt zu sein.

Und falls Sie mehr wissen möchten oder Lust auf ein (auch nur zeitlich beschränktes) Engagement bekommen haben, lassen Sie es uns wissen und schicken Sie uns eine Nachricht!

 

Möchten Sie mehr wissen?

Oder haben Sie Lust auf ein (auch nur zeitlich beschränktes) Engagement bekommen?

Lassen Sie es uns wissen und schicken Sie uns eine Nachricht an office@fairtherapy.at.