Prinzip der Soziokratie

 Von meinen Kunden werde ich oft gefragt „Was bedeutet eigentlich „Konsent“ und „Autonomie“?“

Vorab: das Prinzip des Konsents kann als Grundlage für Autonomie gesehen werden.

Autonomie heißt dabei, dass jede Person grundsätzlich alle Entscheidungen im Rahmen der eigenen Rolle autonom, d.h. selbständig und eigenverantwortlich, treffen kann und muss. Das setzt natürlich voraus, dass jeder genau den Verantwortungsbereich der eigenen Rolle kennt. Außerdem müssen die Ziele der Organisation klar und transparent sein. Betrifft eine Entscheidung eine andere Rolle, muss diese vorab mit dieser Rolle abgestimmt werden. Benötigt eine Mitarbeiterin zum Beispiel ein zusätzliches Budget für eine Entscheidung, muss sie sich vorher mit der Rolle, die verantwortlich für das Budget ist, abstimmen.

Die Art und Weise, wie die Entscheidung bezüglich dieser zusätzlichen Budgetanforderung getroffen wird, führt uns zum Konsent.

In einigen Firmen wird diese Entscheidung hierarchisch (= von oben nach unten) entschieden. Ein Vorgesetzter sagt entweder Ja oder Nein, mit einer mehr oder weniger klaren Begründung für die Entscheidung – in den meisten Fällen führt das zu Frustration, und in weiterer Folge dazu, dass Mitarbeiter gar keine Entscheidungen mehr fällen (wird ja ohnehin nicht akzeptiert).

In anderen Firmen wird die Entscheidung im Konsens getroffen. D.h. jeder Beteiligte muss der Entscheidung zustimmen. Hier beginnen dann endlos lange Besprechungen willkürlich eingebrachter Vorwände, warum das nicht geht, oft auch durch Personen, die mit dem Sachverhalt gar nichts zu tun haben. Folge ist wieder Frustration, verschwendete Zeit in Besprechungen, und nicht getroffene Entscheidungen.
 

Soziokratische Organisationen entscheiden im Konsent. Das bedeutet, Entscheidungen können auch getroffen werden ohne Zustimmung aller Beteiligten, auch wenn es Einwände gibt – solange ein Einwand nicht schwerwiegend ist. Schwerwiegend bedeutet, dass die Entscheidung die Ziele der Organisation gefährdet. Diese Gefährdung der Ziele muss dabei klar begründet werden. Das liest sich jetzt schnell, ist aber ein tiefreichender Unterschied. Dahinter steht, dass akzeptiert wird, dass es nicht den perfekten Weg zum Ziel gibt – nur den im Moment sinnvollsten. Was schlussendlich zählt ist, das Ziel zu erreichen, nicht WIE es erreicht wird. Damit steht das Ziel im Vordergrund, nicht die verschiedenen Sichtweisen der Beteiligten, wie das Ziel erreicht wird. Folge ist, dass Entscheidungen viel schneller getroffen werden, Einwände begründet sein müssen und damit angenommen werden können, und Mitarbeiter so nicht demotiviert werden selbstverantwortlich (= autonom) Entscheidungen zu treffen.