Significant Moments I

Durch meine psychotherapeutische Tätigkeit kenne ich das Ausmaß der Unterversorgung und hatte seit 2009 konkret den Gedanken, eine Initiative zu setzen. Es gab mehrere "Significant Moments", die mich darin bestärkt haben! Heute will ich Ihnen einen vorstellen:

Eines Tages rief mich ein ehemaliger Klient an, dessen Therapie schon längere Zeit zurück lag. Er bat mich um eine Sitzung, in der er sein Anliegen formulierte. Mein erster Gedanke war, ihn an einen Anlageexperten zu verweisen. Er erklärte er mir jedoch geduldig sein Problem: Er habe einen Beruf, in dem er mehr verdiene als er brauche. Seine Familie sei abgesichert, er habe alles, was er zum Leben benötige in ausreichendem Maße. Doch jetzt beschäftige ihn, was er mit dem Überschuss machen solle.

„Denn“, so sagte er, „die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, und das tut auch mir nicht gut. Wir sind eine Gesellschaft, ich lebe ja hier.“ Ich verstand sein Anliegen, sich durch die Reflexion mit mir so positionieren zu können, dass sowohl er, mit seiner Geschichte der frühen zu großen Verantwortungsübernahme in der Familie, als auch die soziale Situation berücksichtigt würden.

Mich berührte diese Achtsamkeit nach innen und außen sehr und bestärkte mich in dem Gedanken: Ja, es gibt Menschen, die sich die Mühe machen, die Komplexität unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit an sich heranzulassen, die sich den Simplifizierungen in jede Richtung verweigern. Weder: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ noch „Wie kann es mir gut gehen, wenn andere leiden?“ Worum es geht: Den Spagat zwischen „sich“ und den „anderen“ meistern. Den doppelten Blick üben.